Weltreisen | Mit dem Zug nach Peking (Teil 1)

Nach langer Vorbereitung startet nun endlich unsere Eisenbahnreise um die halbe Welt. Wir haben uns damit einen Traum erfüllt und sind gespannt, ob es problemlos funktionieren wird, da fast alles selbst organisiert ist… Im ersten Teil des umfangreichen Reiseberichts fahren wir bis Irkutsk.Es ist noch recht früh an diesem Septembermorgen, wir sind noch ziemlich müde nach der kurzen Nacht. Haben wir uns doch abends noch die Köpfe zerbrochen, ob wir auch an alles gedacht haben… Als wir in Berlin ankommen, geht gerade die Sonne auf. Es scheint ein schöner Spätsommertag zu werden. Der Hauptbahnhof wird nur von wenigen Reisenden frequentiert, die große Stadt scheint noch zu schlafen. Nach einem Kaffee aus ToGo geht es mit dem Fahrstuhl hinauf auf die oberen Bahnsteige. Um 06:37 Uhr wird pünktlich unser Zug abfahren, der Berlin-Warszawa-Express in Richtung Osten.

Wir beziehen unser gemütliches Abteil, welches wir bis Warschau für uns allein haben werden. Das Gepäck in den Ablagen verstaut und schon geht es los. Der Zug schlängelt sich gemächlich die Berliner Stadtbahn entlang. Der Fernsehturm wird von der Morgensonne angestrahlt und ein Blick auf die Straßen verrät, dass die große Stadt gerade erwacht.

Hinter Frankfurt/Oder überfahren wir den Grenzfluss. Er offenbart sich ruhig, fast verträumt. Die Sonne hat sich schon ein wenig weiter nach oben gearbeitet und der Himmel ist leicht bewölkt. Nun haben wir die erste Grenze passiert. Seit Polen dem Schengenabkommen beigetreten ist, gibt es hier keine Kontrollen mehr.

Die Fahrt verläuft recht unspektakulär über Posen weiter in Richtung polnischer Hauptstadt. Gegen 09:00 Uhr ist es Zeit für ein Frühstück. Am Zug hängt ein polnischer Speisewagen und wie viele Speisewägen osteuropäischer Bahnen, ist auch dieser zu empfehlen. Die freundliche Bedienung serviert  Rührei und Kaffee.

Der Zug erreicht Warschau mit einer Verspätung von 15 Minuten. Der Bahnhof wurde für die Fußball Europameisterschaft generalüberholt. Er wirkt modern, sauber, ist aber etwas unübersichtlich.

Das Gepäck wird im Schließfach verstaut und es bleiben etwa drei Stunden Zeit bis zum Anschlusszug. Im Bahnhofsumfeld gibt es nicht viel Spannendes zu entdecken. (Geschäfts-) Neubauten der Nachwendezeit mit viel Glas und hoch in den Himmel. Daneben sozialistische Plattenbunker. Da ist “Stalins” Kulturpalast fast schon ein Lichtblick.

Gleich dem Bahnhof gegenüber befinden sich die Goldenen Terrassen. Ein moderner Einkaufstempel mit Geschäften und Restaurants. Hier essen wir Mittag. Es ist leicht bewölkt und etwa 20 Grad warm. Wir genießen die warmen Sonnenstrahlen, bevor der Weg uns auch schon wieder in Richtung Bahnhof führt. Um 15:24 Uhr fährt der D-Zug Polonez nach Moskau ab. Er wird rechtzeitig bereitgestellt und der Schlafwagenschaffner macht einen freundlichen, lustigen Eindruck.

Der Wagendurchlauf nach Moskau besteht ausschließlich aus Schlafwagen. Im polnischen Binnenverkehr sind noch einige Sitzwagen angehängt. Diese sind augenscheinlich deutlich voller denn die Wagen in Richtung Moskau. Der Schlafwagen wurde im VEB Waggonbau Bautzen gefertigt, zwischenzeitlich aber modernisiert. Die Abteile sind nicht gerade großzügig. Sie können wahlweise als Einbettabteil (Single), Zweibettabteil (Double) oder Dreibettabteil (Tourist T-3) gebucht werden. Die nicht benötigten Betten sind dann entsprechend eingeklappt.

Neben einer Garderobe gibt es noch eine Waschgelegenheit und einen Spiegelschrank. Wir machen es uns gemütlich und dann setzt sich der Zug auch schon in Bewegung. Da der Bahnhof Warszawa Centralna ein Tiefbahnhof ist, rumpeln wir zunächst durch den Tunnel und im Anschluss überqueren wir die Weichsel. Es bietet sich von hier ein schönes Stadtpanorama. Die Sonne scheint noch warm und im Abteil machen wir es uns gemütlich: T-Shirt, Jogginghose und Adiletten.

Die folgendende Landschaft ist flach und ländlich geprägt.

Pünktlich um 18:26 Uhr erreichen wir die Grenzstation Terespol. Der Bahnsteig ist durch einen Zaun geteilt. Menschenmassen aus dem vorderen, hier endenden Zugteil strömen zum Ausgang. Dann wird das Tor geschlossen und die Grenzkontrolle beginnt.

Ein Bundespolizist aus Deutschland ist mit im Kontrollteam. Wir unterhalten uns eine Weile mit ihm. Er sagt, dass er hier Dienst im Rahmen der „Frontex“ schiebt und das er die Arbeit hier sehr interessant findet. Alles verläuft unspektakulär. Eine polnische Grenzerin regt sich darüber auf, dass ich fotografiere. Da war aber alles schon im Kasten bzw. auf der Speicherkarte. Der vordere Zugteil wird abgekoppelt und nach insgesamt einer Stunde Aufenthalt geht es weiter über den Grenzfluss Bug ins benachbarte Brest auf weißrussischer Seite.

Die Sonne ist gerade untergegangen, der Himmel ist in warmes rot/blau gefärbt und der Mond ist auch schon zu sehen. Nicht weit nach der Brücke halten wir am Grenzposten. Park Bug nennt sich dieser Bahnhof, augenscheinlich ausschließlich bestehend aus einem Gebäude für die Grenzeinheiten und einem kurzen holprigen Bahnsteig. Öffentlicher Zustieg ist hier nicht möglich. Die weißrussischen Grenzer sind ganz locker drauf. Sie scheinen zu scherzen. Wir verstehen es nicht, lachen trotzdem und nach wenigen Augenblicken ist alles vorbei. Die Pässe werden eingesammelt und nach ca. 20 Minuten abgestempelt wieder verteilt. Die Grenzer werden noch im Waggon bleiben und erst im Bahnhof Brest wieder aussteigen. Eine laut ratternde Diesellok schiebt uns weiter bis zur sog. Warschauer Seite des Bahnhofs Brest. Wenige Minuten später werden wir in die Umspurhalle rangiert. Dort werden die Drehgestelle/Achsen der Wagen getauscht, da es ab hier in russischer Breitspur weitergeht. Frauen sind zugestiegen und verkaufen Wodka, Bier, warmes Essen. Bei den wenigen Reisenden heute Abend wahrscheinlich kein sehr einträgliches Geschäft. Sie verlassen den Zug erst in der Umspurhalle wieder und verschwinden zielstrebig im Gebäude. Offensichtlich kennt man sich.

In der Halle geht es sehr routiniert zu. Kaum ist der Zug in der Halle, werden die Wagen getrennt. Ich steige aus und dokumentiere das Geschehen. Die Arbeiter sind freundlich. Mit russisch, wenigen Brocken deutsch und englisch versuchen sie mir zu erklären, wie alles funktioniert. Vor lauter Eindrücken von mir fast unbemerkt sehe ich, dass unser Wagen schon in die Höhe gehoben wurde. Der ganze Zug ist effektiv nach etwa 45 Minuten umgespurt. Ich bin erstaunt, wie schnell alles geht. Ich nehme deutlichen Alkoholgeruch der Arbeiter in meiner Umgebung wahr. Ich habe aber trotzdem den Eindruck, dass jeder Handgriff sitzt. Am anderen Ende der Halle steht ein Pkw mit offener Motorhaube. Einige basteln daran herum, wenn sie gerade an den Eisenbahnwaggons nichts zu tun haben.

Als alles fertig ist, wird der Zug von einer Diesellok aus der Halle gezogen. Auf einmal schreit einer etwas, der Zug bremst abrupt und ein anderer zieht eine Art Hemmschuh vom Gleis. Alkoholbedingte Nachlässigkeit? Reine Spekulation. Dann geht es weiter zum Bahnhof Brest, zur sog. Moskauer Seite. Der Zug steht die restliche Zeit ab und ich gehe mich etwas umsehen. Im Bahnhof selbst ist – tote Hose. Einige Mütterchen verkaufen Essbares und Getränke am Bahnsteig.

Der Zug setzt sich langsam in Bewegung und schaukelt uns in die Nacht. Der erste Tag liegt hinter uns.


Wir haben geschlafen wie die Murmeltiere. Draußen ist es bewölkt. Unser Schlafwagenschaffner bringt Kaffee und dazu essen wir Schokocroissants. Ich erzähle ihm von unserer langen Reise und bekomme ein Schlüsselband seiner Schlafwagengesellschaft als Souvenir. Pünktlich auf die Minute fahren wir im Weißrussischen Bahnhof in Moskau ein.

Nachdem wir uns am Geldautomaten problemlos mit Rubel eingedeckt haben, besorgen wir uns 11-er Karten für die Metro und schon geht es hinab in den imposanten Moskauer Untergrund.

Nach einer erfrischenden Dusche im Hotel steuern wir das „Muzeon“ an. Ein Skulpturengarten mit Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. Die „Nischel“ von Marx, Stalin, Lenin, Breschnew etc. findet man hier. Der Park wird neu gestaltet, kostet momentan keinen Eintritt.

Im Anschluss geht es zum Neuen Arbat. Empfohlener Weise speisen wir im Restaurant „Muh Muh“  – Es ist ziemlich voll. Viele leckere Sachen gibt es hier. Leider war ein Foto nicht möglich, da ich sehr schroff auf das Fotografierverbot hingewiesen wurde. Gut und günstig den Magen vollgestopft geht es weiter zum Roten Platz.

Es ist schon dunkel geworden und alles ist imposant beleuchtet. Wir genießen die Atmosphäre, bevor wir uns langsam auf den Weg zum Hotel machen.


Die Nacht im Hotel haben wir gut verbracht. Es befindet sich in Laufnähe des Jaroslawer Bahnhofs (etwa 15 Minuten – wenn man den Weg gleich findet…), von dem wir heute Abend in Richtung Sibirien aufbrechen werden. Das Hotel wirkt einigermaßen modern, das Personal ist wirklich sehr freundlich und das Frühstücksbuffet ist reichhaltig. Dazu kommt für Moskauer Verhältnisse der moderate Preis [http://www.hotelmandarin.ru/].  Wir frühstücken, lassen das Gepäck bis zum Abend verwahren und begeben uns zur nächsten Metrostation. Es ist noch bewölkt, aber die Sonne kämpft tapfer dagegen an. Heute wollen wir hoch hinaus – zum Fernsehturm Ostankino.

Die Kontrollen am Zugang zum Fernsehturm sind sehr streng und man wird nur gruppenweise zu festgelegten Zeiten hinauf gelassen (i.d.R. 1x je Stunde). Personalisierte Karten unter Vorlage des Reisepasses gibt es im Nebengebäude, also nicht am Turmeingang selbst. Der Blick über die Stadt ist gigantisch, wenngleich die Fernsicht durch diesige Luft etwas eingeschränkt ist.

Im Anschluss fahren wir mit Straßenbahn und Metro wieder in die Innenstadt. Spazieren am Ufer der Moskwa entlang, beobachten die teils chaotischen Verkehrsverhältnisse und laufen – diesmal bei Tageslicht – über den Roten Platz.

Im Kaufhaus GUM ist alles herbstlich dekoriert. Boutiquen der nobelsten Designer und teuersten Marken findet man hier. Man sieht darin nur niemanden etwas kaufen.

Wir machen noch einige Bilder, besorgen uns in einem Supermarkt Proviant für die Fahrt und fahren zurück zum Hotel. In der Nähe wollen wir in einem Restaurant noch etwas essen. Man spricht dort ausschließlich Russisch, auch die Karte ist nur auf Russisch. Das macht die Sache nicht gerade einfach aber mit Händen, Füßen und einem speziellen Reisewörterbuch bestellen wir Borschtsch und „Kotelett Kiewer Art“ und bekommen Borschtsch und eine Art Cordon Bleu mit Pommes. Lecker hat´s geschmeckt und jetzt holen wir das Gepäck.

Auf dem Weg zum Hotel ahnen wir nichts Gutes bei dem, was wir hier sehen: Eine Kolonne von vielleicht 50 Arbeitern hat damit begonnen den Gehweg aufzuhacken. Mit großen Stampfern bewaffnet schlagen sie auf die asphaltierte Oberfläche, welche zerbricht wie Butterkeks. Die schweren Taschen, die sich eigentlich mit Leichtigkeit auf Rollen ziehen lassen, müssen wir nun über weite Strecken tragen. Ziemlich verschwitzt kommen wir zum Platz, an dem die Bahnhöfe schön erleuchtet sind. Wir sehen den großen Kasaner Bahnhof, den Leningrader Bahnhof und den Jaroslawer Bahnhof. Überall herrscht hektisches Treiben. Durch eine Unterführung kommen wir auf die andere Straßenseite zum Jaroslawer Bahnhof, wo später unser Zug abfahren wird.

Wir sehen viele Leute, die in einem Wartesaal – ähnlich einem Flughafen – sitzen und darauf warten, dass das Abfahrtgleis des Zuges bekannt gegeben wird. Man sieht viel Sicherheitspersonal und in die Bahnhofshalle kommt man nur durch einen Metalldetektor. Viele Reisende haben große Taschen oder Kartons dabei. Auf dem Querbahnsteig wuselt es überall, die Beleuchtung ist eher spärlich. Wir lassen die Eindrücke auf uns wirken.

Dann endlich: An der großen Anzeigetafel wird das Abfahrtgleis unseres Zuges bekannt gegeben. Wir haben uns bei der Planung für den D 6 entschieden, der von Moskau bis Ulan-Bator fährt.

Beinahe im Schrittempo wird der lange Zug bereitgestellt. Die Wagen sind deutlich beschriftet und wir finden schnell unseren in der Mitte des Zuges. Der Schlafwagenschaffnerin zeige ich die Fahrkarten/Reservierungen sie nickt und wir können unser Abteil beziehen. Die Betten befinden sich unten rechts und links, sie sind schon überzogen. Die Wände sind mit Sprelacart in Holzoptik verkleidet. Das Fenster ist geschlossen und kann nicht geöffnet werden. Unser Gepäck verstauen wir unter den Liegen (sie lassen sich hochklappen) und über der Abteiltür. Der Wagen füllt sich gefühlt zu etwa ¾. Ich laufe noch etwas auf dem Bahnsteig umher, gegenüber steht der Zug nach Workuta. Um 21:35 Uhr startet pünktlich unser Zug in die Nacht.

Es ist unsere erste Fahrt in einem Breitspurwagen. Ich finde er hat eine gute Laufruhe. Wir stoßen auf die Transsibirische Eisenbahn mit Wodka in unseren Zahnputzbechern an, machen uns bettfertig und legen uns schlafen.


Die Nacht über ist es in unserem Abteil sehr warm geworden, es wurde ordentlich geheizt. Um 09:49 Uhr erreichen wir Kirow. Ich steige aus und schaue mich etwas um. Von einer Babuschka kaufe ich Schokolade und mit Kraut und Zwiebeln gefüllte Hefeteigstücke. Am Boiler hole ich heißes Wasser für den Kaffee und dann haben wir noch Weißbrot und Marmelade und fertig ist das Frühstück. Wir haben es uns im Abteil gemütlich gemacht. An der Wand im Abteil hängt die jeweils aktuelle Landkarte und unsere Ausarbeitung mit den Unterwegsbahnhöfen mit jeweils der Moskauer- und Ortszeit sowie dem örtlichen Sonnenauf- und untergang. So sind wir jederzeit orientiert. Hoffen wir…

Unsere Schlafwagenschaffnerin putzt wie ein Wirbelwind den Gang, die Toiletten und läuft auch mit dem Staubsauger durch unser Abteil. Sie scheint aber etwas zickig zu sein. Sie ist Ende 20, sehr hübsch und vor jedem Halt tauscht sie Jogginganzug gegen ihre schicke Uniform mit Hütchen und Lackpumps.

Beim nächsten Halt in Balesino ist es sonnig und um die 20 Grad warm. Auf dem Bahnsteig gibt es Verkaufsstände. Dort bekommt man u.a. Brot, Wurst, Getränke, Süßigkeiten, Chips, Plüschtiere, Souvenirs, Eis…

Man muss sich um die Verpflegung keine Sorgen machen. Die Lok wird gewechselt und dann geht es weiter durch tiefe Wälder, vorbei an kleinen Dörfern mit Holzhäuschen und angrenzendem Garten, in dem Babuschka Gemüse anbaut und wo auch manchmal Hühner oder Ziegen herumlaufen. Viel Holz ist an den Häuschen gestapelt. Man hat schon für den baldigen Winter vorgesorgt.

Über Perm geht es weiter in Richtung Ural. Mit zwei Becher(chen) Wodka genießen wir den Sonnenuntergang, sehen die Landschaft an uns vorbei ziehen und den Himmel sich von blau über grau zu tief dunklem schwarz zu färben. Ein schöner Halbmond leuchtet in unser Abteil. Irgendwann zwischen 22:00 Uhr und 23:00 Uhr Moskauer Zeit passieren wir die Grenze zwischen Europa und Asien. Sie soll gekennzeichnet sein durch einen weißen Obelisken, der neben der Strecke am Waldrand steht. Wir haben ihn in der Dunkelheit nicht entdeckt, wissen jedoch von Fotos, dass er sehr unscheinbar aussieht: Ein weiß angestrichener Betonpfeiler.

Dann Einfahrt in Ekaterinburg spät abends. Der Zug ist pünktlich. Wir schnappen noch etwas frische Luft auf dem Bahnsteig und werden uns dann schlafen legen. Der erste Tag Transsib liegt hinter uns. Wir sind uns einig: Die Fahrt ist bis dato wirklich sehr kurzweilig und beeindruckend.


Unsere zweite Nacht in Folge im Zug haben wir gut geschlafen. Wir haben nun schon über 4.600 Eisenbahnkilometer hinter uns gelassen. Wir hätten nicht gedacht, dass das so entspannend sein kann. Draußen ist es leicht bewölkt, die Sonne scheint.

Unser nächster Halt wird Omsk sein, wo wir um 14:22 Uhr Ortszeit eintreffen. Auf dem Bahnsteig haben wir einen Kiosk angesteuert und eingekauft: 1 Brot, 1 Glas Gurken und 4 Dosen Baltyka – Bier zu einem Preis von 600 Rubel. Noch freuen wir uns, als wir später im Abteil noch einmal darüber nachdenken, merken wir, dass das rund 15 € entspricht. Vielleicht berechnet man hier pro Artikel 100 Rubel oder das Bier war so teuer. Schwamm drüber. Das Bier stand nicht sichtbar im Kiosk hinter der Scheibe. Wir mussten nach Bier fragen und bekamen dann eine Auswahl an Bieren gezeigt, unter anderem auch 1,5 Plasteflaschen. Seit Kirow waren auch keine Babuschkas mehr zu sehen. Es gab nur die erwähnten Verkaufskioske oder Verkaufsstände, die jedoch eine ausreichende Palette verschiedener Sachen anbieten. Wahrscheinlich wurden die Babuschkas nach und nach von den Bahnhöfen vertrieben. Unsere Schaffnerin meinte, in Barabinsk könnte es noch welche geben.

Die an uns vorbeiziehende Landschaft ist flach und man kann kilometerweit sehen.

18:19 Uhr Ortszeit halten wir in Barabinsk. Unser Abendbrot ist gesichert! Auf dem Bahnsteig stehen viele Babuschkas und bieten leckere Sachen an. Wir haben vier Tomaten, zwei kleine Gurken, einen Beutel warme Kartoffeln und vier Piroschki (mit Kartoffeln gefüllte große Krapfen in Öl gebacken) gekauft. Das Ganze für 260 Rubel. Beim geräucherten Fisch waren wir vorsichtig. Er sah lecker aus, aber wir haben trotzdem lieber die Finger davon gelassen. Babuschka verdient ein großes Lob: Das Essen war sehr köstlich. Wir sind so satt, aber ein Wodka passt noch rein.

Spät am Abend kommen wir in Nowosibirsk an. Die Anzeigetafel zeigt 13°C. Bei der Einfahrt in die Stadt über den Ob gab es ein bunt beleuchtetes Wasserspiel auf dem Fluß. Beim Blick aus dem Fenster auf die Stadt fallen uns die vielen Hochhäuser auf, die teilweise bunt beleuchtet sind. Auf dem Bahnsteig kaufen wir uns dann doch noch ein kleines Nachtmahl: Zwei Piroschki mit Würstchen und Kartoffeln gefüllt, dann machen wir uns bettfertig.

Die Körperhygiene auf der Toilette klappt erstaunlich gut. Gewöhnungsbedürftig ist der Wasserhahn, bei dem man einen Stift von unten hochdrücken muss, damit das Wasser fließt. Die Toilette, wie auch sonst der Waggon sind sehr sauber und allgemein in gutem Zustand.


Wir schlafen wieder gut. Es ist jetzt nachts auch nicht mehr so warm im Abteil. Den morgendlichen Halt in Krasnojarsk haben wir fast verschlafen. Aber da wir noch ausreichend Vorräte fürs Frühstück hatten, war das kein Problem, denn wir mussten nicht unbedingt aussteigen. In Krasnojarsk überqueren wir den Yenissey. Gegenüber der Eisenbahnbrücke wird gerade eine neue Brücke über den riesigen Fluß gebaut.

Danach wird es gebirgiger. Zwischen den Birkenwald mischen sich auch einige Nadelbäume und die Landschaft war durchzogen von kleinen Bächen und Seen. Immer mal wieder tauchen kleine Dörfer mit den typischen Holzhäusern auf.

Bei uns im Wagen reisen jetzt auch Italiener mit. Im Nachbarabteil wohnen seit Moskau Österreicher. Kein Russe, der mit in Moskau zugestiegen war, ist noch im Waggon. Wir beobachten, dass die Einheimischen meist nur eine Nacht im Zug verbringen. Offenbar sind, zumindest in unserem Waggon, die „Langstreckenreisenden“ ausschließlich Ausländer.

Um 15:10 Uhr Ortszeit halten wir in Ilanskaja. Auf dem Bahnsteig warten schon die Babuschkas auf hungrige Reisende. Sie verkaufen Brot, Bier, Zigaretten, Limonade, Kekse, Instantsuppen, Milch, Gurken, Tomaten, Fisch, Pelmeni (gekochte Teigtaschen ähnlich den polnischen Pirogi), Krautsalat,… Wir haben uns wieder eingedeckt und es schmeckt wieder köstlich.

Die vorerst letzte Nacht im Zug liegt vor uns. In aller Frühe werden wir Irkutsk erreichen. Wir packen schon mal unsere sieben Sachen zusammen und legen uns schlafen.


> Hier geht es zu Teil 2

> Der gesamte Reisebericht bei Drehscheibe Online


 

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