Polen | Krakau – Auf dem Königsweg

Der Königsweg ist die Hauptachse Krakaus, an der sich die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden. Begleiten Sie uns auf unserem Rundgang durch die königliche Stadt.

Krakau war die einstige und gilt auch heute noch als die heimliche Hauptstadt Polens. Die Stadt an der Weichsel hat etwa eine dreiviertel Million Einwohner und die historische Altstadt zählt zum Weltkulturerbe.
Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung ist der Hauptbahnhof, welcher nach seinem Umbau in ein modernes Einkaufszentrum integriert wurde. Bevor wir starten, besorgen wir uns in eben diesem Einkaufszentrum noch schnell einen Reiseführer. Die Buchläden halten auch ein deutschsprachiges Angebot bereit. Für 17,90 PLN (ca. 4,50 EUR) haben wir beispielweise das Büchlein „Krakau – Der Königsweg“ in der deutschsprachigen Version erstanden. Die Texte sind teilweise etwas holprig übersetzt, man versteht aber alles und als reiner Stadtführer für den Königsweg ist es völlig ausreichend. Daneben gibt es natürlich noch andere deutschsprachige Reiseführer. Man sollte sich Zeit nehmen und etwas blättern und letztlich seinen persönlichen Favoriten auswählen. Das Einkaufszentrum, die „Galeria Krakowska“ verlassen wir am mittleren Ausgang in Richtung ulica Pawia. (ulica = Strasse) Anschließend folgen wir der ulica Kurniki etwa 100 Meter in westliche Richtung und schon befinden wir uns am ersten Wegpunkt: Die St. Florianskirche wurde, wie wir sie heute vorfinden, vor etwa 300 Jahren erbaut. In ihr ruhten die Leichname der Könige, die zu ihrer Beerdigung nach Krakau gebracht wurden.

Am Pfarrhaus neben der Kirche entdecken wir in der Hauswand die Büste Johannes Pauls II, er war hier in den Jahren 1949 bis 1951 Vikar.

Wir drehen uns in Richtung Süden und sehen schon das große Tannenbergdenkmal auf dem Matejkoplatz. Der Platz verdankt seinen Namen dem gleichnamigen polnischen Maler. Das Tannenbergdenkmal erinnert an die Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410. Es zeigt polnische wie litauische Krieger über dem sterbenden Ulrich von Jungingen. Es markiert den Sieg über die Ritter des Deutschen Ordens.

Um nicht ins Fettnäpfchen zu treten:  Wir Deutschen verbinden mit  Tannenberg unsere erfolgreiche Schlacht im August 1914 gegen die Russischen Armeen. Das polnische  „Grunwald“ bzw. „Tannenberg“ hat mit dieser denkwürdigen Schlacht außer der Namensgleichheit natürlich nichts gemein.

Wir passieren das Denkmal und laufen weiter in Richtung Innenstadt. Hier fällt uns schon ein mächtiges Rondell aus roten Ziegeln auf: Der Barbakan.

Das 1499 errichtete Schutzbauwerk war der Stadtmauer vorgelagert und Teil eines durchdachten Befestigungssystems. Es sollte die Stadt vor einfallenden feindlichen Truppen schützen. Die Mauer ist im unteren Stockwerk etwa drei Meter breit, hat 130 Schießscharten und sieben Beobachtungstürme. Der Barbakan kann innen nur von Mai bis Oktober besichtigt werden.

Wenige Meter weiter sehen wir das Florianstor. Es ist Teil der an dieser Stelle noch erhaltenen mittelalterlichen nördlichen Stadtmauer und zugleich der Eintritt in die Fußgängerzone der Altstadt.

Das Tor war übrigens ursprünglich aus Holz. Die flankierenden Mauern hat man erst später errichtet. Weitere Teile von Stadtmauer und Befestigungsanlagen hat man später wieder abgebaut und mit dem Schutt die Gräben zugeschüttet.

Dieser Teil samt Florianstor blieb nur deshalb erhalten, weil man als Ursache für Erkrankungen der Stadtbewohner den Nordwind ausgemacht hatte. ..

Hinter dem Florianstor beginnt die Florianskastraße (ul. Florianska). Schaut man gleich nach links, nachdem man das Tor durchquert hat, erblickt man das Czartoryski Museum.

Ein vordergründig kleines Gebäude, welches aber die Gemälde „Die Dame mit dem Hermelin“ (Leonardo da Vinci) und  „Die Landschaft mit dem barmherzigen Samariter“ (Rembrandt) beherbergt.

Der Florianskastraße folgend laufen wir bis zum Marktplatz und schauen uns dabei die Fassaden der Häuser an.

In der Mitte des großen Platzes fallen uns gleich die Tuchmacherhallen auf – dazu später mehr – und links als dominierendes Bauwerk: die Marienbasilika. Sie gilt als eine der schönsten Kirchen Mitteleuropas und wurde vom späten 13. Jahrhundert bis ins 15. Jahrhundert errichtet.

In der Folge sie jedoch wieder mehrfach umgebaut. Ihre Lage passt nicht wirklich zur Symmetrie des Marktplatzes. Der Grund dafür ist, dass sie genau an der Stelle errichtet wurde, an welcher die frühere, aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche, durch einfallende Tartaren zerstört wurde. Weiter fällt auf, dass die beiden Türme unterschiedlich hoch sind. Einer Überlieferung nach wurden sie von zwei Brüdern erbaut, wovon einer den vermeintlich begabteren Turmbauer erstach. Dessen Turm blieb unvollendet und dient heute als Glockenturm. Das „Tatmesser“ kann man noch heute an der Tuchhalle bewundern.  Das Innere der Basilika lässt den Reichtum spüren, mit dem die Krakauer Bürger das Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte ausgestattet haben.

Das bemerkenswerteste ist zweifelsohne der hölzerne Hochaltar von Veit Stoß. Geöffnet erzählt er von den Freuden Marias und geschlossen von ihren Leiden. Der Eintritt für „Gläubige“ an der Seite des Marktplatzes ist frei. Touristische Besucher müssen an der Kasse am Plac Mariacki Eintrittskarten zu 10 PLN und – bei Bedarf – eine Foto-/Videoerlaubnis für 5 PLN lösen.

Über den offiziellen touristischen Zugang werden die Besucher dosiert ins das Gotteshaus gelassen. Man kann hier bis zum Altar vorgehen, welcher dann jeweils auch für einige Minuten geöffnet wird. Wenn Sie zur rechten Zeit auf dem Marktplatz waren, haben sie vielleicht schon den Trompeter gehört? Zu jeder vollen Stunde wird das Trompetensignal in alle Himmelsrichtungen gespielt. Die Melodie bricht abrupt ab um damit an den Tatarenangriff zu erinnern, bei welchem der damalige Trompeter durch einen Pfeil getötet wurde, als er das Alarmsignal blies.

Zurück auf dem Marktplatz fällt ihnen vielleicht die kleine Kirche ins Auge? Die St. Adalbert Kirche ist das älteste Bauwerk auf dem Marktplatz. Das Kellergewölbe beherbergt eine Ausstellung mit Objekten und Fundstücken zur Geschichte des Platzes.

Die Tuchhallen aus dem Mittelalter wurden unter König Kasimir dem Großen errichtet und sind 108 m lang. Sie wurden später mehrfach umgebaut und teilen den Marktplatz in zwei Hälften.

Im Inneren findet sich ein breiter Gang, welcher links und rechts von Verkaufsständen gesäumt wird. An der Stelle der Tuchhallen befand sich einst eine Straße mit Krämern. Da schlechtes Wetter das Geschäft verdarb, wurden Mauern und Dach um die Verkaufsstände errichtet: Die Grundlage für die späteren Tuchhallen.

Auf der anderen Hälfte des Marktplatzes befindet sich der Rathausturm. Er markiert den Rest des Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Rathauses.

Der Königsweg führt uns weiter über die Grodzka Straße (ul Grodzka) in Richtung Wawelburg. Man quert dabei den Plac Dominikanski, an welchem sich links die Dominikanerkirche und rechts die Franziskanerbasilika befinden. Weiter in Richtung Süden geht es vorbei an der Peter und Paul Kirche. Vor der Kirche stehen auf Sockeln 12 Apostel als Kopien des Bildhauers Bazanka. Man erzählt sich, dass die Figuren in der kleinen Kirche keinen Platz gefunden hätten und deshalb außerhalb aufgestellt werden mußten. Die Originale stehen übrigens überdacht im Hof hinter der Diözese.

An der Peter und Paul Kirche biegen wir rechts auf den Plac sw Marii Magdaleny ab um anschließend links auf der ul. Kanonicza weiterzulaufen. Sie gilt als eine der ältesten und schönsten Straßen in Krakau. In der Hausnummer 19 wohnte übrigens Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II in den Jahren 1951 bis 1967. Heute befindet sich darin ein Museum.

Die letzte Station auf dem Königsweg baut sich vor uns auf: Die Wawelburg. Die Burg wurde auf dem gleichnamigen Kalkhügel errichtet, welcher sich auf etwa 25 Metern über der Weichsel erhebt. Im der ul sw. Idziego zugewandten Teil entstand im 9. Jahrhundert der Herrschersitz des Weichselvolkes.

Die darauf folgenden Herrscher bauten den Sitz weiter aus. Im Jahre 1536 wurde das Schloß fertiggestellt, brannte aber darauf zum Teil wieder ab. Wiederaufbau, Umbauten, Erweiterungen und wechselnde Hausherren folgten in den folgenden Jahrhunderten. Die letzte große Sanierung wurde 1951 beendet. Karten für die Besichtigung, auch mit Führungen oder Audioguide, erhält man in der sog. Bastei der Diebe. Auf dem Weg zur Burg bieten sich inoffizielle Führer feil. Zu Preisen und Qualität kann ich jedoch keine Aussage treffen.

Verläßt man die Burg auf der südlichen Seite und läuft Richtung Weichsel hinab, kommt man an der feuerspeienden Skulptur des Waweldrachens vorbei. Das Ungetüm spuckt im Abstand weniger Minuten Feuer und soll die Gestalt einer polnischen Sage repräsentieren.

An der Weichsel entlang spazierend kommt man an diversen Schiffsanlegern vorbei und steht schließlich am Most Debnicki (Debnicki Brücke) wieder im Großstadtverkehr. Von der Brücke aus genießen wir noch einen schönen Blick auf das Panorama der Burg.

Von der dortigen Haltestelle Jubilat betehen Straßenbahnverbindungen in Richtung Innenstadt oder Bahnhof (hier ausschließlich die Linie 2). Aber auch der Fußweg zurück in Richtung Marktplatz ist mit etwa 10 Minuten zu bewältigen. Bis hier her benötigt man, wenn man auf die Besichtigung des Inneren der Burg verzichtet, etwa 2 1/2 Stunden ab dem Beginn am Bahnhof.


Weiterführende Verweise:

ÖPNV Krakau (offizielle Seite): http://www.mpk.krakow.pl/de/liniennetz/
Übersicht Museen und Öffnungszeiten (ohne Gewähr!): http://www.tourismus-polen.de/Polen/Reiseziele_Krakau_Museen.htm
Wawelburg (offizielle Seite) [PL / ENG]: http://wawel.krakow.pl/en/
Stadt Krakau (offizielle Seite) [PL]: http://www.krakow.pl/
Landkreis Krakau (offizielle Seite): http://powiat.krakow.pl/charakteristik/


Einkaufen


Ab der (Bus-) Haltestelle Jubilat kann man den kostenlosen Shuttlebus zum Krakauer Outletcenter [http://krakow.factory.pl/en] nutzen. Ob von den dort ansässigen Geschäften ein individuell interessantes dabei ist, prüft man am besten vorher auf deren Homepage ab – genau wie die aktuellen Abfahrtzeiten der Shuttlebusse. Anzumerken ist, dass das Angebot der großen internationalen Marken sich in Auswahl und Preis nicht grundlegend von dem in deutschen Outletcentern unterscheidet.

In den Läden und Einkaufscentern der Innenstadt sind die Preise von Markenartikeln im Vergleich zum deutschen Einzelhandel oftmals sogar höher. Dies gilt insbesondere auch für Elektronik! Man vergleiche also vorher den Preis, um sich nicht später über ein vermeidliches Schnäppchen zu ärgern. Einen Blick sollte man aber unbedingt  auf das Angebot von polnischen und osteuropäischen Marken werfen: Erwähnenswert ist die Sport- und Outdoormarke „4F“. Hier kann so manch qualitativ guter Artikel günstig erstanden werden. Ebenso kann man sich – natürlich je nach Geschmack – in den Markenläden von „Reserved“, „Diverse“, „house“  oder „CroppTown“ preiswert und gut einkleiden.

In der Altstadt fallen verschiedene Antiquariate ins Auge. Das Angebot umfasst auch deutsche Bücher und Karten. Stichprobenartige Preisvergleiche ergaben, dass vieles massiv überteuert ist. Man merke sich also Titel und Zustand und vergleiche vor dem Kauf über sein Smartphone und einen der unzählig vorhandenen Hotspots die Preise mit denen auf dem Heimatmarkt.


Essen


In der „Galeria Krakowska“ am Hauptbahnhof gibt es auf der obersten Ebene diverse Restaurants. Von Fast-Food bis klassische Küche findet man hier alles mögliche zu ortsüblichen Preisen. In der Altstadt selbst wird man von vielen Restaurants aktiv umworben. Mehr oder weniger aufdringliche Anwerber preisen ihre angeblich traditionelle Polnische Küche an. Fakt ist, dass die große Mehrzahl der Kneipen und Restaurants in bester Altstadtlage von Einheimischen kaum besucht wird. Angebliche Tradition steht hier regelmäßig in keinem guten Verhältnis zur Portion und schon gar nicht zum Preis. Möchte man in der Altstadt deftig und günstig essen, dann sei das „Gospoda Koko“ in der ulica Golembia 8, ganz in der Nähe des Marktplatzes empfohlen [http://gospodakoko.pl/]. In rustikalem studentischem Ambiente bekommt man bei Selbstbedienung an der Theke alle möglichen deftigen Leckereinen. Ein Essen mit Getränk kostet dabei kaum über 5 EUR. Mit dem jungen Bedienpersonal kann man zumindest in Englisch problemlos kommunizieren.


In der Umgebung


Bereits ab der Ankunft am Bahnhof wird man mit Angeboten zu Ausflügen in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz überflutet. Verschiedene Transferoptionen und Führungen in diversen Sprachen sind Bestandteil der Angebote, die für umgerechnet ab 30 EUR zu haben sind. Für Transfer und Besichtigung werden durchschnittlich sechs Stunden veranschlagt.


Unterkunft


Den besten Überblick über Auswahl und Preis erhält man beim Aufrufen der einschlägigen Buchungsportale im Internet. Eine Buchung als Städtetour von Deutschland aus empfehle ich nicht. Wer unbedingt einen Stadtführer oder eine Rundfahrt benötigt, kann diese in der Regel preiswerter über sein Hotel oder praktisch an jeder Straßenecke in der Altstadt buchen.


Anreise


Seit einigen Jahren kommt man mit dem Auto von den Grenzübergängen Forst und Görlitz über sehr gut aus- und neu gebaute Autobahnen bis Krakau. Fahrtzeit ab Grenze etwa 4,5 Stunden. Man beachte, dass die Autobahnen teilweise mautpflichtig und die Parkmöglichkeiten in der Innenstadt sehr eingeschränkt sind.

Geschuldet dem teilweise schlechten Streckenzustand in Polen ist die Anreise mit der Bahn im Vergleich zu Auto oder Flugzeug außerordentlich zeitintensiv. Direktzüge gibt es keine mehr. Man ist gehalten von Deutschland aus zunächst Prag (CZ), Wroclaw, Poznan oder Warschau anzusteuern und dann umzusteigen. Als Alternative bietet die Bahn den IC-Bus an. Ab Berlin kann Krakau so direkt erreicht werden. Für diesen Bus sind Sparpreise der Bahn erhältlich. Im Vorlauf bis Berlin kann der Zug ab jedem Bahnhof in Deutschland genutzt werden.

Mit dem Flugzeug kommt man unter anderem von Frankfurt a.M., Hamburg oder Berlin direkt nach Krakau. Da sich auf diesen Linien zum Teil auch Billiganbieter tummeln, können mit ein wenig Glück und Geschick schon Tickets für unter 100 EUR ergattert werden.


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